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Nora Heer im Handelsblatt Expertenrat zum Thema "Tamam für selbstherrliche Chefs"

Geposted von Nora Heer am 30. Mai 2018

 

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Viele Türken sagen „Tamam“ zum Staatschef Erdogan – „genug“. Auch Chefs brauchen Feedback von der Basis, denn viele Firmenlenker überschätzen sich.


Mit seiner Ankündigung, die Wahlen um anderthalb Jahre vorzuziehen, hat Recep Tayyip Erdogan alle und insbesondere die Opposition vor den Kopf gestoßen. Dieser wahltaktische Schachzug mag zum Bild des forschen „Sultans vom Bosporus“ passen – er zeugt aber auch von seiner Verunsicherung.

Die anstehende Wahl im Juni ist eine Doppelwahl. Einerseits wird der erste Präsident im neuen Präsidialsystem, das Erdogan für sich maßgeschneidert hat, auserkoren. Andererseits wählen die Türken auch ihr Parlament.

Bis vor kurzem war es in der Türkei nicht möglich, dass Parteien ein Wahlbündnis schließen. Doch da Erdogan auf die Stimmen anderer Parteien angewiesen ist, hat er das Gesetz kurzerhand geändert. Dabei war er sich sicher, dass sich die Opposition auf keinen Fall zu einem Bündnis zusammenschließen wird.

Da hat er sich aber getäuscht. Drei Oppositionsparteien haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen und werden sich – im Falle einer Stichwahl – auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen: Sein eigener wahltaktischer Schachzug kann ihm nun selbst einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Stimmung im Land und auch in seiner Partei ist, trotz vollmundiger und genauso unhaltbarer Wahlversprechen und der üblichen Wahlkampfrhetorik, schlecht. Bisher war es für Erdogan schlicht undenkbar, dass er nicht als Sieger aus der Wahl hervorgehen wird. So sicher scheint er sich nun nicht mehr zu sein. Er erklärte kürzlich: „Wenn die Leute sagen „tamam“, es reicht, dann ziehe ich mich zurück“.

Prompt und zahlreich kam die Reaktion der Regierungsgegner – mehr als eine Million Tamam-Tweets! Deutlich mehr als die Devam-Tweets (devam = weiter) der Erdogan-Unterstützer. Das ist ein starkes Signal der Regierungsgegner in einem Land, in dem es praktisch keine unabhängigen Medien mehr gibt.

Chefs in der Wirtschaft werden üblicherweise nicht demokratisch gewählt. Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, dass deren Führungsarbeit von jenen bewertet werden, die das am besten beurteilen können – den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Dass solche Feedbacks nötig sind, zeigen verschiedene Umfragen: Die meisten Führungskräfte sind davon überzeugt, dass sie eine gute und auch beliebte Führungskraft sind. Das passt aber nicht zum Bild, das Mitarbeiter in Umfragen zeichnen. Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Zusammenarbeit mit ihrem Chef wirklich effektiv ist.

Der Grat zwischen einem gesunden Selbstvertrauen und einem problematisch übersteigerten Selbstbewusstsein ist schmal und es lohnt sich für Unternehmen, genauer hinzuschauen. Denn eine unrealistische Selbsteinschätzung kann zu fatalen Entscheidungsfehlern führen.

Dazu kommt: Führungskräfte mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein sind nicht gut für das Arbeitsklima und ein schlechtes Arbeitsklima ist der Kündigungsgrund Nummer eins. Selbstgefällige Chefs vergiften das Klima, kosten Geld und der Ruf des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber leidet unter ihnen. Es ist also höchste Zeit, das herrschende System der Selbstüberschätzung zu durchbrechen.

Für regelmäßige Mitarbeiterbefragungen, sogenannte Pulse-Surveys, gibt es geeignete Tools, die schnell und einfach entsprechende Analysen der Feedbacks aus dem Kreis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglichen.

Auch wenn es nicht so einfach ist, eingespieltes Führungsverhalten zu ändern – ohne Feedback von der Basis gibt es keine Selbstreflexion. Und nur wer sich selbst hinterfragt, kann auch aus seinen Fehlern lernen. Idealerweise, bevor die unterstellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „tamam“ zurückmelden und sich ein neues Umfeld suchen.

Hier geht es zum Artikel.

Topics: Management & Leadership

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