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Nora Heer im Handelsblatt Expertenrat zum Thema Macron, Bibi und die französische Lust auf Veränderung

Geposted von Nora Heer am 13. Juli 2017

 

Macron, Bibi und die französische Lust auf Veränderung

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Macron hat das französische Volk im Sturm erobert. Seine Frau spielte dabei eine zentrale Rolle. Zusammen stehen sie für ein Frankreich, wie wir es schätzen und lieben gelernt haben. Nun brauchen sie schnell Erfolge.

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Emmanuel Macron mit seiner Frau bei der Stimmabgabe für die Parlamentswahl (Foto: Reuters)

Veränderung, neudeutsch Change, ist uns Menschen eher nicht geheuer. Für manche Menschen ist Neues zwar gleichbedeutend mit Lust, Neugierde und Nervenkitzel. Unsere Evolution hat uns aber in der Tendenz so geprägt, dass wir Veränderung kritisch registrieren. Unsere Wahrnehmung ist stark darauf ausgerichtet, Veränderungen zu identifizieren und sofort auf ihre mögliche Bedrohung und Gefahr hin zu bewerten.

Schaut man sich die jüngere Geschichte Frankreichs an, dann muss dieser Reflex dort besonders verbreitet sein. Das politische Geschehen in dem zentralistisch verwalteten Land war in den vergangenen Jahren, gar Jahrzehnten geprägt von zäher bis aggressiver Besitzstandwahrung. Das beste Beispiel hierfür ist der wahllos überregulierte Arbeitsmarkt, den schon viele Präsidenten reformieren wollten, sich jedoch die Zähne daran ausgebissen haben. Zu breit der Widerstand. Zu tief die Spaltung im Land.

Dabei hat Frankreich in nicht allzu ferner Vergangenheit das Prädikat „La Grande Nation“ zu Recht mit Stolz getragen. Die Concorde, la Déesse (Citroen DS), das Centre Pompidou, Catherine Deneuve, Alain Delon, Dior, Yves Saint Laurent, Truffaut, Gainsbourg: Frankreich war lange technologisch Vorreiter, und die Kultur und der Lifestyle faszinierten und inspirierten die ganze Welt.

An dieses Frankreich will Macron wieder anknüpfen. Und er scheint wild entschlossen, gegen die Reformblockaden und das verkrustete System anzugehen. Die Menschen nehmen es ihm offenbar ab. Der junge Präsident kann mit einer komfortablen Mehrheit in die Regierungsarbeit einsteigen – mit einer Partei, die er erst vor etwas mehr als einem Jahr ins Leben gerufen hat. Wie macht er das nur?

Oberflächlich betrachtet, überrascht der Erfolg Macrons in der Bevölkerung. Er machte sein Abitur an einem Pariser Elitegymnasium, arbeitete als Investmentbanker bei der Traditionsbank Rothschild und war als Wirtschaftsminister unter Hollande Teil der verhassten „Classe Politique“. Äußerlich wirkt er wie der perfekte Schwiegersohn: scharf gesetzter Scheitel, hochglanzpoliertes, edles Schuhwerk und Designeranzug. Wieso wirkt er auf die Bevölkerung nicht wie ein überehrgeiziger Streber aus der Oberschicht und unbeliebten Politikerklasse?

Die Grande Nation, ein Start-up?

Auch wenn er optisch angepasst wirkt, so hat er doch klargemacht, dass er sich nicht einordnen will. Dass er sich treu bleibt und sich nicht um überlieferte Gepflogenheiten schert. Hinter dem stromlinienförmigen Politiker verbirgt sich eine mutige und unangepasste Führungspersönlichkeit, die sich nicht ins traditionelle Rechts-links-Schema pressen lässt.

Am besten illustriert dies seine Ehe mit der deutlich älteren Frau Brigitte, die einst seine Französischlehrerin war. Mit Bibi, so ihr Kosename, zeigt er, dass er sich keinen Deut um Konventionen schert. Mit ihr, die im Wahlkampf allgegenwärtig war, hat er sich Sympathiewerte gesichert. Das Paar wirkt authentisch und steht für einen gemeinsamen Wertehorizont: liberal, innovativ, modern, offen und zuversichtlich. Der Wertehorizont einer Grande Nation, wie wir sie in den 60ern und 70ern erlebt und bewundert haben. Kurz: Das Paar steht für eine – dringend notwendige – technologische und soziale Revolution, für eine leuchtende Zukunft, und es vermittelt das französische Lebensgefühl geradezu perfekt.

Macron geht sogar noch weiter. Ihm schwebt vor, dass die Grande Nation wie ein Start-up denkt und sich auch so bewegt. Frankreich ist aber keine Neugründung auf der grünen Wiese. Hinzu kommt, dass Demokratien nicht wie Unternehmen funktionieren. Demokratische Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, da unterschiedlichste Anspruchsgruppen abgeholt und überzeugt werden müssen. Hier besteht die Gefahr, dass seine ehrgeizige Agenda in langfädigen Parlamentsdebatten zerredet wird. Es bleibt also abzuwarten, ob der Hoffnungsträger Macron mit seiner stabilen Regierungsmehrheit die momentane Lust auf Veränderung im Land nutzen kann und schnell Resultate liefert.

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Topics: Management & Leadership

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