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Nora Heer im Handelsblatt Expertenrat zum Thema "Digitalisierung - Kein Grund zur Panik"

Geposted von Nora Heer am 16. Mai 2018

 

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Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt dramatisch. Doch das menschliche Element wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Digital

Sieht so die Zukunft der Arbeit aus?

Künstliche Intelligenz und Bots nicht nur eine jobkillende Bedrohung, sondern auch eine Chance.

(Foto: Imago/Westend61)


Künstliche Intelligenz und Big Data erschließen nicht nur neue Geschäftsmodelle und Umsatzströme. Software-Roboter übernehmen Routineaufgaben, ersetzen Menschen und machen Kosteneinsparungen in großem Umfang möglich. Die Art und Weise, wie Unternehmen mit Kunden umgehen, verändert sich dramatisch und wird sich weiterhin entwickeln. 

Diese Umbrüche sind so weitreichend und enorm wie damals die Erfindung der Dampfmaschine und die Industrialisierung: Die Digitalisierung stellt unsere jetzige Arbeitswelt auf den Kopf.

Viele Berufsbilder werden sich tiefgreifend und nachhaltig ändern. Andere Berufe werden ganz verschwinden. Und dabei geht es nicht nur um administrative Routinetätigkeiten, deren Automatisierung sich geradezu aufdrängt. Auch Berufe, die wir heute als unersetzbar einschätzen, weil sie persönlichen menschlichen Kontakt bedingen, werden betroffen sein.

So bietet zum Beispiel E-Learning mit virtuellen Lernwelten Möglichkeiten, die den klassischen Frontalunterricht alt aussehen lassen. Auch medizinische Berufe bleiben von diesen Entwicklungen nicht verschont. Schon heute sind Roboter zum Beispiel in der Lage, anspruchsvollste, hochkomplexe Operationen mit einer Präzision durchzuführen, die für Menschen kaum zu erreichen ist.

Auch die Disziplin Human Resources und der Beruf des Personalers sind von Software-Robotern bedroht. Bei den administrativen HR-Aufgaben gibt es heute schon einen recht hohen Grad an Technisierung durch klassische IT-Systeme. Darüber hinaus sind Künstliche Intelligenz und Bots dabei, die HR-Kernkompetenz Personalauswahl zu erobern.

HR-Software ist in der Lage, Bewerbungen zu lesen und vielversprechende Kandidatinnen und Kandidaten zu identifizieren. Robot Recruiter durchforsten Lebenslaufdatenbanken, Business-Netzwerke und soziale Medien nach vielversprechenden Zielgruppen. Sie können tausende Bewerbungsgespräche am Telefon oder per Video-Chat an einem Tag führen und eine erste Vorauswahl treffen, bevor die aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerber überhaupt persönlichen Kontakt mit der Personalabteilung haben.

Und das ist keine Science Fiction. Schon heute verlassen sich hunderte von Firmen auf die Dienste von Künstlicher Intelligenz im Recruiting und können so den Rechercheaufwand enorm reduzieren und gleichzeitig die Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen.

Doch damit sind die Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft: Onboarding, Einsatzplanung, Talentidentifikation, Personalentwicklung, People Analytics oder Performance Management. Kein HR-Prozess, der mit dem Sammeln und Auswerten von Daten zu tun hat, steht nicht im Fokus der Digitalisierung.

Trotz aller technischen Möglichkeiten, die es zu nutzen gilt, wird das menschliche Element auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Ein vollautomatisiertes Recruiting ist zum Beispiel schon aus rechtlichen Gründen nicht zulässig. Ein Algorithmus darf nicht alleine über Anstellung oder Ablehnung entscheiden.

Überall da, wo Empathie oder das Gespür für die Organisation eine Rolle spielen, sind auch weiterhin Menschen gefordert. Kein Mitarbeiter, keine Mitarbeiterin kann sich vorstellen, persönliche Anliegen in Mitarbeitergesprächen mit Robotern zu besprechen.

Algorithmen sind nicht in der Lage, Überzeugungsarbeit, zum Beispiel für ein Veränderungsvorhaben, zu leisten. Und wenn es darum geht, Handlungsempfehlungen auf der Basis von evaluierten Daten für das eigenen Unternehmen stimmig zu übersetzen, hat menschliches Einfühlungsvermögen eine Stimme.

In diesem Sinne sind Künstliche Intelligenz und Bots nicht nur eine jobkillende Bedrohung, sondern auch eine Chance. Sie geben Personalern die Möglichkeit, sich mit den wirklich wichtigen Dingen wie mit Personalentwicklung oder mit der Pflege und Weiterentwicklung der Unternehmenskultur zu beschäftigen.

Die zunehmende Digitalisierung ist also kein Grund zur Panik. Nur die Personaler, die sich gerne hinter verschlossenen Bürotüren verschanzen und unlesbare Excel-Listen produzieren, haben Grund, beunruhigt zu sein. Zu recht.

Hier geht es zum Artikel.

Topics: Management & Leadership

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